"Wir sind Helden"
Die besten Gesangsschüler des bekannten Koblenzer Musikers Christoph Streit treten am Freitag, 24. Juni, im Florinsgarten mit einem sehr persönlichen Programm auf

“Vocal Heroes” bereiten sich auf Konzert vor
Es sind sechs sehr unterschiedliche Typen, die sich im internen Sangeswettstreit von
Christoph Streits “Vokal-Institut” für einen besonderen Konzertabend qualifiziert haben – der eine beschäftigt sich hauptsächlich mit Elvis, der andere mit Manfred Krug, eine Sängerin will in die Welt der Diven entführen, eine andere sucht den Soul. Am 24. Juni wird es im Florinsgarten ein besonderes Erlebnis geben.
KOBLENZ. In seinem Gesangsunterricht geht es Christoph Streit nicht nur um Tonhöhen, Timbre und Tremolo. Der Koblenzer Musiker, Songschreiber und Sänger möchte seine Eleven gezielt ans Bühnenerlebnis heranführen, will sie vertraut machen mit der Arbeit am eigenen Repertoire, mit der Vorbereitung eines Konzerts. “Es geht eben nicht nur ums Singen”, sagt Streit, als er jene sechs Schüler in seinem “Vokal-Institut” versammelt hat, die ein ganz besonderes Konzert am Freitag, 24. Juni, im Koblenzer Florinsgarten bestreiten sollen.
“Jede und jeder erhält die Möglichkeit, einen 20- bis 30-minütigen Auftritt vorzubereiten. Die Schüler müssen ein Konzept dazu erarbeiten, sich die Songs gemeinsam mit mir aussuchen und mit der Band arbeiten”, erklärt er das Konzept dieses “Specials” innerhalb der bekannten “Vocal Heroes”-Reihe (RZ berichtete). “Und wir werden im Juni einen sehr abwechslungsreichen Abend erleben.”
Zwei Monate Arbeit
Weil nicht alle Streit-Schüler bei dieser Show mitwirken können, hat der Lehrer die dafür am meisten Geeigneten auserwählt und in den vergangenen zwei Monaten intensiv mit ihnen gearbeitet. Jetzt, knapp zwei Monate vor der Show, stehen die Konzepte, kristallisiert sich langsam die Liedreihenfolge heraus. Und weil zu einer solchen Vorbereitung auch das Gespräch mit der Presse gehört, stellten sich alle sechs “Helden” der RZ – die Ergebnisse von sechs Interviews sind auf dieser Seite gesammelt.
Streit erklärt den Ablauf des Konzertabends: “Natürlich ist es auch eine besondere Sache, mit einer professionellen Band einen solche Show zu erarbeiten.” Für die Musiker sorgt Christoph Streit, gemeinsame Proben sind allerdings natürlich auch Sache der Gesangsschüler.
Die “Vocal Heroes” sind schon seit längerer Zeit nicht mehr aus der mittelrheinischen Konzertszene wegzudenken. Regelmäßig ermöglicht der Lehrer seinen Schülern Konzerte mit einer Band, die “Helden” sind etwa im Circus Maximus und in der Kulturfabrik, außerdem bei anderen Anlässen und bei der Summi-Show der RZ aufgetreten. Während dabei jedoch jeder Sänger nur wenige Lieder zur Verfügung hat, um das Publikum zu beeindrucken, ist das “Special” im Juni eine Herausforderung – schließlich stehen sie nun teilweise auch zum ersten Mal als Sänger alleine vor Publikum.
Live-Mitschnitt geplant
Das Konzert wird übrigens von den Teilnehmern eines Livemixing-Workshops mitgeschnitten, die Teilnehmer eines Bläserworkshops werden voraussichtlich für den richtigen Brass sorgen.
Tim Kosmetschke
Die Soul-Lady
Tina Wagner (21) will mit ihrer Musik berühren
Tina Wagner will in ihrem “Special”-Programm Lieder über Themen präsentieren, “die mir selbst sehr wichtig sind”. Kurz: Sie will eigene Ideen und Gefühle auf die Bühne bringen – und so ein Stück ihrer Seele enthüllen. So ergibt sich “Soul” als Konzeptbeschreibung, wobei die 21-jährige Grundschulpädagogik-Studentin weniger alte Klassiker als die neuen Seelenforscher im Sinn hat.
“Und wenn ein Lied” von den Söhnen Mannheims nennt sie etwa als Auszug aus ihrem Repertoire für den 24. Juni, ein Lied, das von der Beziehung zwischen Menschen erzählt, das auch Tina Wagner berührt hat. “Ich werde das allerdings nicht einfach nur nachsingen. Ich setze die Akzente anders.” Möglicherweise wird sich das bei “Survivor” von Destiny”s Child noch deutlicher zeigen, bei dem Wagner auch am Arrangement schrauben wird – gemeinsam mit Christoph Streit. “Sie bestimmt das Tempo, sie gestaltet das Lied völlig neu”, sagt der. Weitere Songs Eric Claptons “Layla”, Christina Aguileras “Fighter”.
Für Wagner liegt die Herausforderung gerade in der intensiven Beschäftigung mit dem Repertoire. “Ich will das Projekt nutzen, um mich in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln. Ich habe mir Lieder ausgesucht, von denen ich vorher immer dachte: Die kannst du nie singen. Das ist mein hoher Anspruch bei dieser Sache.” Vorbereitet ist sie: Seit sieben Jahren hat sie Gesangsunterricht.
Die Pop-Diva
Corinna Dabringhaus (23) mit Bombast-Musik
“Ich entführe das Publikum in die Welt der Diven.” Die Ansage von Corinna Dabringhaus klingt geradezu spektakulär. Ihre Diven: Shakira, Lisa Stansfield, Christina Aguilera, Lauryn Hill, Beyonce Knowles – also die eher moderne Variante der großen Pop-Göttinnen.
“Das sind alles Sängerinnen, die ich selbst toll finde, die allesamt große Stimmen, aber auch die entsprechende Ausstrahlung haben. Und: Es macht wahnsinnig Spaß, ihnen beim Performen zuzusehen”, sagt die 23-jährige Studentin der Grundschulpädagogik begeistert.
Sehr viel Power habe ihre Stimme, viel Kraft, sagt Christoph Streit – wenn nun bei diesen Stücken das Gefühl dazu kommt, eine echte Dynamik entsteht, dann sei das schlicht ergreifend. “Treat Me Like a Woman” von Stansfield, “Impossible” von Aguilera, aber auch “Te Regado” von Shakira – kräftigen Bombast-Pop hat sich die Sängerin, die auch selbst Texte und Musik schreibt, ausgesucht – die Musik ihrer größten musikalischen Vorbilder.
Besonders auf die traumhafte Kulisse im Florinsgarten freut sie sich nun, auf die Zusammenarbeit mit der Band, auch auf die Arbeit, die noch vor ihr und ihrem Lehrer liegt. Bühnenerfahrung hat sie schon mit einigen Projekten und Bands gesammelt. So drückt sie ihre rockige Seite etwa bei Ten Beers Later aus, einst aber stand sie als Background-Sängerin bei Costa Cordalis auf der Bühne.
Der Krug-Interpret
Mario Schreiner (28) über einen Liedermacher
Er ist der einzige in der Gruppe der sechs “Heroes”, der sich ganz alleine auf einen Künstler konzentriert. Und dann auf diesen: “Ich singe ausschließlich Lieder von Manfred Krug”, sagt Mario Schreiner. Es war tatsächlich eine Entdeckung.
Irgendwann stieß er nämlich in Streits Plattenschrank auf alte Aufnahmen von Manfred Krug, der in den 60er- und 70er-Jahren in der damaligen DDR ein gefeierter Liedermacher war. “Das ist Easy Listening auf Deutsch, die Sachen grooven wie verrückt, sind typisch 70er-mäßig instrumentiert – und die Texte drehen sich oft um die Liebe, sind aber auch Beschreibungen der Gesellschaft und oft ironisch und pointiert.” Und eine Herausforderung.
Mario Schreiners Bandbreite ist zwar enorm – er singt in einer Blues-Brothers-Coverband, macht Neues Geistliches Lied und präsentierte schon Barber-Shop live – bis zu Manfred Krugs Chansons reichte sie bislang nicht.
Nun wird alles neu erarbeitet, Schreiner interpretiert die Musik “mit eigenem Esprit”, durchaus auch mit ironischer Distanz, dabei aber immer mit Bewunderung: “Es hat so etwas Leichtes, er verkauft es als Typ, weniger als Sänger. Dabei ist es keineswegs einfach”, meint der Koch, Partyservice-Betreiber und freie Mitarbeiter der Kulturfabrik.
Eine echte Entdeckung ist es allemal, richtige Archivarbeit liegt hinter Streit und Schreiner – und ein Stück Schlager-Neuland vor ihnen.
Die Gefühle-Frau
Sandy Karin (26) auf Deutsch über Beziehungen
“Deutsche Lieder berühren die Menschen einfach mehr.” Sandy Karin hat diese Beobachtung nicht zuletzt bei vergangenen “Vocal Heroes”- Auftritten gemacht – jetzt hat sie das Prinzip konsequent umgesetzt: Am 24. Juni wird sie ausschließlich deutsche Texte interpretieren – Texte, die sich mit Beziehungen beschäftigen.
“Ohne Dich” von Rosenstolz/Selig ist so ein Stück, “Besonders” von der Kölner Band Eisen ein weiteres. Gemeinsam mit Christoph Streit hat sie “Wählen” komponiert – geschrieben wie ein Gedicht. “Das ist ein sehr persönliches Lied, und es ist mir auch sehr wichtig, dass ein Stück von mir rüberkommt”, sagt die 26-jährige Mediengestalterin, die seit einem Jahr Gesangsunterricht bei Streit hat. “Ihre Stimme erinnert an Alanis Morissette, auch Sachen von Coldplay kann sie sehr gut singen”, meint der Lehrer, “mit deutschen Texten aber entdeckte sie eine völlig neue Welt.” Die Aufmerksamkeit ist eben eine andere.
“Mein Ziel auf der Bühne ist es, dass genau das Gefühl ausgedrückt wird, das ankommen soll”, beschreibt sie ihren emotionalen Gesangsstil, erklärt, wie sie Zeile für Zeile an Aussprache und Phrasierung arbeitet – eben weil ein deutscher Text viel direkter wirkt als ein englischer. Direkt selbst erlebt habe sie auch die Momente, die in den Liedern ihres Auftritts vorkommen. Mit deutschem Rock und Pop passt das gut.
Der Elvis-Experte
Frank Langer (30) über sich und den King
“Mein Programm heißt ganz einfach: ,Elvis und ich”.” Frank Langer setzt beim “Vocal Heroes”-Special die Arbeit von vielen Jahren auf der Musikbühne fort: “1992 habe ich angefangen, Musik zu machen. In einer Tanzband und als Elvis-Interpret”, berichtet der Industrie-Kaufmann. Schon diese Zeit war Ausdruck einer großen Leidenschaft: Langer ist Elvis-Fan, -Sänger und -Experte. Aber eben kein Imitator.
Seit vier Jahren ist er Schüler bei Christoph Streit, mittlerweile geht er sehr eigene Wege in der Musik, schreibt eigene Stücke, die im Stil an den typischen Elvis-Presley-Sound erinnern. Eine solche Gegenüberstellung werden die Zuhörer am 24. Juni im Florinsgarten erleben: “Ich habe drei Lieder von Elvis ausgesucht, dazu präsentiere ich drei eigene Lieder mit deutschen Texten, die thematisch dazu passen.” Zu “In The Ghetto” beispielsweise stellt Langer eine sinnliche Rock-Pop-Ballade, die über das Leiden eines Soldaten im Kriegsgebiet erzählt.
“Ähnlichkeiten sind da”, sagt er über seine Stimme, die aber eben kein Abklatsch von Elvis ist. Den entdeckte er, als er mit zehn Jahren eine LP bei der Oma fand – ein faszinierender Moment. Seine Leidenschaft für den King gibt ihm heute, bei der Interpretation auch abseitiger Presley-Stücke, eine einzigartige Glaubwürdigkeit auf der Bühne, wie Streit lobt. Eines ist Langer noch wichtig: dass seine Musik handgemacht ist.
Die Blues-Stimme
Claudia Furrer (21) zwischen Pink und Joss Stone
Zwischen Soul und Blues: Da sieht sich Claudia Furrer. “Angefangen habe ich mit Soulmusik. Dann habe ich geforscht: Wo kommt was her? Und bin beim Blues gelandet.” Am 24. Juni präsentiert sie nun moderne Musik zwischen den Genres, allerdings mit einem deutlich “blauen” Einschlag: “Killing Time” von Joss Stone beispielsweise, “Wonder Why” von der Jazz-Lady Viktoria Tolstoy, aber auch “Misery” von Pink.
“Ich bin eben kein rockiger Typ. In solche ruhigeren, bluesigen Stücke kann ich sehr viel besser reinfühlen”, erklärt die 21-jährige Arzthelferin – und schließlich ist dieses “Reinfühlen” Grundvoraussetzung für eine packende Interpretation. “Es ist natürlich etwas Besonderes, wenn man rund 30 Minuten mit einer sehr guten Band auf der Bühne singen darf”, sagt sie zur Herausforderung, die nun vor ihr liegt. “Ich habe alle Songs neu herausgesucht, neu erarbeitet.”
“Claudia hat durch das Projekt noch einmal einen Riesensprung nach vorne gemacht. Sie hat sehr viel geforscht rund um die Lieder und eine zielgerichtete Auswahl getroffen”, sagt Chris-toph Streit, der Furrer seit dreieinhalb Jahren betreut.
“Ich bin eben ein Gefühlsmensch”, kommentiert die junge Sängerin selbst ihr Repertoire für den Florinsgarten. Liebe, Gemeinschaft, auch Elend: Das seien die Textthemen, die sie nun versucht, für sich und ihre kraftvolle Stimme umzusetzen.
RZ v. 28.4.2005