"Vocal Heroes" mit Stil-Vielfalt und großen Stimmen

Junge Sänger aus der Region traten mit sehr persönlichen Programmen im Florinsgarten auf – Profi-Band und Sax-Satz
KOBLENZ. Die Stilvielfalt mag eigentümlich gewesen sein, sie spannte den Bogen von Elvis Presley zu Manfred Krug. Doch das Programm des Spezial-Konzerts der “Vocal Heroes” im Florinsgarten wurde geeint durch eine andere Note: durch die Qualität der Sängerinnen und Sänger. Ihre Stimmen waren es, die den Abend zum Beginn der sommerlichen Reihe in lauschiger Atmosphäre auszeichneten. Und so war es schließlich auch geplant.
Denn mit dem Konzert vor rund 150 Zuschauern endete ein ambitioniertes Projekt. Gesanglehrer Christoph Streit hatte unter seinen Schülern die sechs am besten geeigneten Kandidaten für diese besondere Show ausgewählt (RZ berichtete). Diese hatten nun die Gelegenheit, gemeinsam mit einer professionellen Band ein halbstündiges Programm auf die Beine zu stellen – von der Songauswahl über die Reihenfolge (die Dramaturgie also) bis zur Präsentation. Streit besorgte die Musiker, organisierte Proben und neue Arrangements. Und schließlich kam noch ein Saxofon-Satz der beiden Koblenzer Sax-Lehrer Georg Böhme und Thomas Bethmann dazu. Erster Höreindruck: ein solide stehendes Band-Gefüge, umgekrempelte bekannte Songs, druckvolle Brass-Sequenzen – aber vor allem: die Stimmen!
Es ging los mit Tina Wagner. Die junge Studentin widmete sich dem Soul – und das zunächst noch ganz fragil und zart: “Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt”, sang sie, entwickelte den Song vorsichtig, um dann Volumen und Dynamik zu steigern – ein kraftvoller Einstieg. Mit Beifall und “Survivor” von Destiny”s Child in einem ungewohnten Akustik-Set endete ihr Auftritt.
Bisweilen stürmischer Applaus begleitete auch die anderen Künstler des Abends. Da war Frank Langer, der mit “Elvis & ich” ein gewagtes Programm hervorragend meisterte: Zu Evergreens des King of Rock “n” Roll gesellten sich bei ihm eigene Stücke, die mit typischem Presley-Schmelz und mit deutschen Texten durchaus als Ergänzung taugten. Ernsthaftigkeit liegt in Langers Stimme, die Elvis nicht imitiert, sondern interpretiert. Da war Sandy Karen, die auf rockige Arrangements und deutsche Lyrics setzte – ein angenehm schnörkelloser, geradliniger Auftritt mit Herz und Seele. Da war Mario Schreiner mit der wohl seltsamsten Idee: Ausschließlich Stücke aus der Liedermacherzeit Manfred Krugs sang er – teils bombastisch volltönende Gassenhauer mit obskuren Texten, die Schreiner jedoch gefühlig und sogar ironisierend vortrug. Da war Corinna Dabringhaus und ihr vielgestaltiger Ausflug in die Welt der Pop-Diven, von dem vor allem ein unbekannter Shakira-Song als aufregend in Erinnerung bleibt. Und schließlich war da Claudia Furrer, deren Stimme teils derart tief tönte, dass man um die Gesundheit ihrer Stimmbänder fürchten musste. Diese Gabe nutzte sie, um ganz persönliche Interpretationen jazziger Bluestitel zu gestalten – ein tiefer Hochgenuss.
RZ v. 28.6.2005